Italien war im 19. Jahrhundert nicht nur ein beliebtes Reiseziel für Künstler:innen und Kulturinteressierte, sondern zog auch zahlreiche Fotograf:innen an. Viele der frühen Fotografierenden waren ausgebildete Maler, die sich dieser neuen Technik zuwandten. Nach den Experimenten der Anfangszeit und der raschen Verbesserung der technischen Möglichkeiten setzten sich ab den 1850er Jahren künstlerische, wissenschaftliche und kommerzielle Interessen durch. Die Fotografie etablierte sich in Italien rasch als bedeutendes Bildmedium. Nicht zuletzt führte der stetig wachsende Tourismus zu einer großen Nachfrage nach Erinnerungsbildern, wodurch an vielen Orten zahlreiche Fotostudios entstanden.
Die Sammlung dokumentiert die frühe Entwicklung des fotografischen Italienbildes, das die Wahrnehmung des Landes bis weit ins 20. Jahrhundert hinein geprägt hat. Man begegnet den gängigen Klischees in kalkulierten Inszenierungen ebenso wie der nüchternen Erfassung der Wirklichkeit in atemberaubend detaillierten Momentaufnahmen, die als historische Bilddokumente von großer Bedeutung sind. Im Mittelpunkt steht die Architektur- und Denkmälerfotografie. Die Aufnahmen dokumentieren Kunstwerke aus der Antike, dem Mittelalter und der Neuzeit und machen sie als Souvenirs für die Reisenden sowie als Arbeitsmittel für die vergleichende archäologische und kunsthistorische Forschung verfügbar. Die Grenzen zur Landschaftsfotografie sind fließend.
Schon sehr früh werden auch Menschen als Motive wichtig. Einerseits dienen sie als Modelle für Genreaufnahmen, die Land und Leute dokumentieren und oftmals von Künstler:innen als Vorlagen in der florierenden Gattung der Genremalerei genutzt wurden. Zum anderen standen sie im Fokus der Porträtfotografie, die auch in Italien bald das gemalte oder gezeichnete Bild ablöste. Porträtaufnahmen wurden bevorzugt im kleinen Format der Carte de Visite hergestellt und in Alben gesammelt. In der Sammlung befinden sich zahlreiche solcher Porträtalben, die in der Regel Familienbeziehungen dokumentieren. Manchmal spiegeln sie jedoch auch politische Milieus wider wie das des Risorgimento oder des papsttreuen „schwarzen Adels“ in Rom.